Der Mutterpass ist das Dokument, in dem Ihre Frauenärztin oder Ihre Hebamme alle wichtigen Befunde der Schwangerschaft festhält. Er enthält Angaben zu Blutgruppe, Untersuchungswerten, Ultraschall und Kindslage, oft in Abkürzungen. Mit etwas Übersetzungshilfe lässt er sich gut lesen, und Sie sollten ihn immer bei sich tragen.
- Den Mutterpass erhalten Sie bei der ersten Vorsorgeuntersuchung; er gehört in jede Handtasche und in die Kliniktasche.
- Eingetragen werden unter anderem Blutgruppe, Rhesusfaktor, Blutdruck, Gewicht, Urinwerte, Gebärmutterstand und Ultraschallbefunde.
- Viele Abkürzungen wie SSW, ET, SL oder Hb lassen sich schnell erklären.
- Einzelne Werte außerhalb des Bereichs sind nicht automatisch ein Problem; fragen Sie nach.
Wozu der Mutterpass dient
Der Mutterpass fasst den Verlauf Ihrer Schwangerschaft zusammen. So können alle, die Sie betreuen, schnell sehen, was bereits untersucht wurde und worauf zu achten ist. Das ist besonders wichtig, wenn Sie in einer Notsituation in eine Klinik kommen, im Urlaub einen Arzt aufsuchen oder bei der Geburt eine Hebamme Sie begleitet, die Sie noch nicht kennt.
Die Vorsorgeuntersuchungen sind Teil der gesetzlichen Mutterschaftsvorsorge. Sie finden in der Regel alle vier Wochen statt, später öfter. Für Fragen zur Kostenübernahme von Leistungen wenden Sie sich an Ihre Krankenkasse.
Die wichtigsten Bereiche im Überblick
Persönliche Daten und Vorgeschichte
Auf den ersten Seiten stehen Ihre Daten, der errechnete Entbindungstermin (ET) und Angaben zu früheren Schwangerschaften. Die Abkürzung G steht für Gravida (wie oft schwanger), P für Para (wie oft geboren). „II-Gravida, I-Para“ bedeutet, dass Sie zum zweiten Mal schwanger sind und einmal geboren haben. Auch Risikofaktoren aus dem Katalog der Mutterschaftsrichtlinien werden hier angekreuzt, etwa frühere Kaiserschnitte oder Vorerkrankungen. Ein Kreuz bedeutet nur, dass Ihre Ärztin genauer hinschaut.
Laborbefunde
Im Labor werden unter anderem Blutgruppe und Rhesusfaktor bestimmt. Bei Rhesus-negativer Blutgruppe wird in der Regel in der Schwangerschaft eine Rhesus-Prophylaxe angeboten. Dazu kommen Antikörpersuchtests und Untersuchungen auf Infektionen wie Röteln-Immunität, Syphilis, Chlamydien und Hepatitis B. Ein Test auf HIV wird empfohlen. Der Blutzuckertest (Test auf Schwangerschaftsdiabetes) findet im Allgemeinen zwischen der 24. und 28. Woche statt.
Die Kontrolltabelle
Die Tabelle in der Mitte wird bei jedem Termin ergänzt. Sie ist das Herzstück des Mutterpasses.
| Eintrag | Bedeutung |
|---|---|
| SSW | Schwangerschaftswoche, Schreibweise z. B. 24+3 für 24 Wochen und 3 Tage |
| Fundusstand (Fu) | Höhe der Gebärmutter, ein Hinweis auf das Wachstum des Kindes |
| Kindslage | SL = Schädellage, BEL = Beckenendlage, QL = Querlage |
| Kindsbewegungen | meist mit „+“ für vorhanden vermerkt |
| Herztöne | „+“ für nachweisbar, oft per Ultraschall oder Doppler |
| Gewicht | Gewichtsverlauf der Mutter |
| RR | Blutdruck (Riva-Rocci) |
| Hb | Hämoglobin, Maß für die Blutfarbstoffe |
| Urin (Eiweiß, Zucker, Nitrit, Blut) | Hinweise auf Infektionen oder Stoffwechselentgleisungen |
| Ödeme / Varikosis | Wassereinlagerungen und Krampfadern |
Ultraschall
Bei einer unauffälligen Schwangerschaft sind drei Basis-Ultraschalluntersuchungen vorgesehen, grob in der 9. bis 12., der 19. bis 22. und der 29. bis 32. Woche. Gemessen werden unter anderem Kopfumfang, Bauchumfang und Oberschenkellänge. Die Werte sagen etwas über das Wachstum aus. Sie werden mit Tabellen verglichen und schwanken von Kind zu Kind. Wie Sie das Kind nach der Geburt weiter begleiten lassen, zeigt der Beitrag U-Untersuchungen U1 bis U9 im Überblick.
Weitere Seiten im Mutterpass
- Gravidogramm: Grafik zur Entwicklung des Kindes anhand der Messwerte.
- Kardiotokografie (CTG): Aufzeichnung von Herztönen und Wehen, meist gegen Ende der Schwangerschaft.
- Besondere Befunde: Notizen zu Auffälligkeiten, Überweisungen oder Klinikaufenthalten.
- Geburtsangaben: Nach der Entbindung ergänzt die Klinik oder Hebamme Datum, Geburtsart und Kindesdaten. Diese Seiten sind später auch für die Wochenbettbetreuung wichtig.
- Nachuntersuchung: Die Untersuchung nach der Geburt wird ebenfalls eingetragen.
Werte richtig einordnen
Ein Wert außerhalb des Üblichen heißt nicht, dass etwas nicht stimmt. Blutdruck, Gewicht und Hämoglobin schwanken im Verlauf der Schwangerschaft. Manche Befunde, wie ein vorübergehend leicht erhöhter Eiweißwert im Urin, müssen kontrolliert, aber nicht behandelt werden. Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihre Hebamme an, wenn Ihnen etwas unklar ist. Bitten Sie ruhig darum, Abkürzungen zu erklären.
Wenn Sie zusätzlich Fragen zu Betreuung und Geburt haben, hilft ein Blick in Hebamme finden: wann suchen und wie vorgehen?. Die Hebamme kann den Mutterpass mitlesen und ihn Ihnen auch erläutern. Im Geburtsvorbereitungskurs wird er oft ebenfalls besprochen; Näheres dazu in Geburtsvorbereitungskurs: wann, wo und was er bringt.
Mutterpass im Alltag und in der Klinik
Tragen Sie den Pass ab dem ersten Termin immer bei sich. Machen Sie sicherheitshalber ein Foto von den Seiten, falls er verloren geht. Legen Sie ihn in die Kliniktasche, wie auf der Liste im Beitrag Kliniktasche packen: Checkliste. Die Klinik braucht ihn bei der Aufnahme.
Nach der Geburt bleibt der Mutterpass ein wichtiges Dokument. Bewahren Sie ihn sicher auf, auch für spätere Schwangerschaften. Dort sind Befunde wie Blutgruppe und Antikörper festgehalten.
Fragen für den nächsten Vorsorgetermin
Der Termin in der Praxis ist oft kurz. Es hilft, Fragen vorher aufzuschreiben. Sinnvolle Punkte sind zum Beispiel:
- Welche Befunde sind seit dem letzten Termin neu hinzugekommen, und gibt es Werte, die beobachtet werden sollen?
- Welche Untersuchungen stehen als Nächstes an, und welche davon gehören zur Regelversorgung?
- Wie ist das Kind gelegen, und was bedeutet das für die Geburt?
- Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse, und welche Zusatzleistungen gibt es zur Selbstzahlung?
- Wann sollte ich mich in der Klinik anmelden, und was brauche ich dafür?
Bitten Sie darum, dass Auffälligkeiten verständlich erklärt werden. Sie haben ein Recht darauf, Ihre Befunde zu verstehen und bei Zusatzuntersuchungen frei zu entscheiden.
Wann Sie nicht bis zum nächsten Termin warten sollten
Melden Sie sich sofort bei Ihrer Ärztin, Ihrer Hebamme oder in der Klinik, wenn Sie bemerken:
- Blutungen aus der Scheide,
- Flüssigkeitsabgang oder Verdacht auf Blasensprung,
- deutlich weniger Kindsbewegungen als gewohnt,
- starke Kopfschmerzen, Sehstörungen oder starke Schwellungen,
- regelmäßige schmerzhafte Wehen vor der 37. Woche,
- Fieber oder starke Schmerzen im Bauch.
Häufige Fragen
Was bedeutet „ET“?
Das ist der errechnete Entbindungstermin. Er ist ein Richtwert, nur ein kleiner Teil der Kinder wird genau an diesem Tag geboren.
Darf ich den Mutterpass selbst lesen?
Ja, er gehört Ihnen. Sie dürfen jederzeit nachfragen, was die Einträge bedeuten.
Was, wenn ich den Mutterpass verliere?
Die Praxis kann eine Kopie oder einen Ersatz ausstellen, da die Daten dort gespeichert sind. Bei der Anmeldung zur Geburt gilt: früh melden.
Muss ich meinem Arbeitgeber etwas daraus zeigen?
Nein. Für den Mutterschutz benötigen Sie in der Regel eine Bescheinigung über den voraussichtlichen Entbindungstermin; Einzelheiten dazu erklärt Mutterschutz und Elternzeit im Überblick.
Fazit
Der Mutterpass wirkt am Anfang kryptisch, ist aber gut zu verstehen, wenn Sie Abkürzungen und Aufbau kennen. Fragen Sie nach, tragen Sie ihn stets bei sich und achten Sie auf Warnzeichen. So begleiten Sie Ihre Schwangerschaft informiert und gelassen.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.



