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Durchfall beim Baby: Anzeichen und wann zum Arzt

Durchfall beim Baby: Anzeichen und wann zum Arzt

Von Durchfall spricht man, wenn Ihr Baby deutlich häufiger als gewohnt sehr weichen bis wässrigen Stuhl hat. Bei Babys ist vor allem der Flüssigkeitsverlust gefährlich, weil sie schnell austrocknen können. Bei Säuglingen unter sechs Monaten und bei Warnzeichen sollten Sie deshalb früh die Kinderarztpraxis anrufen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Durchfall erkennen Sie an plötzlich häufigem, wässrigem, oft übel riechendem Stuhl; weicher Stuhl bei gestillten Babys ist dagegen normal.
  • Die größte Gefahr ist die Austrocknung: wenige nasse Windeln, trockene Lippen, eingesunkene Fontanelle, Schlappheit.
  • Weiter stillen oder die gewohnte Milch geben; eine Rehydratationslösung aus der Apotheke nur nach Absprache.
  • Bei Fieber, Blut im Stuhl, Erbrechen, Trinkschwäche oder Babys unter sechs Monaten: Praxis oder Notdienst anrufen.

Was ist normal, was ist Durchfall?

Der Stuhlgang von Babys ist sehr unterschiedlich. Gestillte Kinder haben häufig weichen, senfgelben, manchmal fast flüssigen Stuhl, teils nach jeder Mahlzeit. Das ist kein Durchfall. Von Durchfall spricht man, wenn sich Menge, Häufigkeit und Konsistenz plötzlich deutlich ändern: Der Stuhl ist wässrig, spritzt in die Windel, tritt viel häufiger auf als gewohnt und bleibt nicht im Windelbereich. Orientierung zu Farben und Häufigkeiten bietet der Beitrag Stuhlgang beim Baby: Farben und Häufigkeit.

Der Vergleich mit dem eigenen Kind ist entscheidend. Wenn die Windel plötzlich oft gefüllt ist, der Stuhl anders riecht und Ihr Kind unwohl wirkt, spricht das für einen Magen-Darm-Infekt.

Mögliche Ursachen

  • Viren: Rota- und Noroviren sind die häufigsten Auslöser. Gegen Rotaviren gibt es eine Schluckimpfung, die von der Ständigen Impfkommission empfohlen wird; fragen Sie Ihre Praxis.
  • Bakterien und Parasiten: seltener, oft mit Fieber oder blutigem Stuhl.
  • Antibiotika: Sie können die Darmflora vorübergehend stören.
  • Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Allergie: beispielsweise gegen Kuhmilcheiweiß, meist mit weiteren Beschwerden.
  • Zu viel Saft oder Zucker: bei älteren Babys beim Beikoststart.

Zahnen führt nicht zu echtem Durchfall, auch wenn der Stuhl bei manchen Kindern etwas weicher sein kann. Hält der Durchfall an, suchen Sie die Ursache woanders.

Gefahr Austrocknung erkennen

Babys haben im Verhältnis zum Körpergewicht einen hohen Wasseranteil und verlieren Flüssigkeit rasch. Achten Sie auf diese Zeichen, die für Dehydrierung sprechen:

Bereich Hinweis auf Flüssigkeitsmangel
Windeln deutlich weniger nasse Windeln, mehr als etwa 6 bis 8 Stunden ohne Urin
Mund trockene Lippen, klebrige Zunge
Augen eingesunkene Augen, keine Tränen beim Weinen
Fontanelle eingesunkene Stelle am Kopf
Verhalten auffällig müde, schlapp, apathisch oder sehr unruhig
Haut blasse oder graue Haut, kalte Hände und Füße

Wie Sie die Zahl nasser Windeln einschätzen, beschreibt der Beitrag Nasse Windeln zählen: Trinkt mein Baby genug?. Treffen mehrere Zeichen zu, brauchen Sie rasch ärztliche Hilfe.

Was Sie zu Hause tun können

  1. Behalten Sie Stillen oder die gewohnte Flaschenmilch bei. Bieten Sie lieber häufiger kleinere Portionen an.
  2. Fragen Sie in der Praxis oder Apotheke nach einer Elektrolytlösung zur Rehydratation und halten Sie sich genau an die Anweisung. Die Menge bestimmen Arzt oder Apotheker, nicht Sie.
  3. Verzichten Sie auf Cola, Salzstangen, Fruchtsäfte, stark gesüßte Tees und Hausrezepte ohne Absprache.
  4. Beobachten Sie Windeln, Trinkverhalten, Temperatur und Allgemeinzustand und notieren Sie die Werte.
  5. Sorgen Sie für Ruhe, bequeme Kleidung und eine angenehme Raumtemperatur.

Medikamente gegen Durchfall oder Erbrechen sollten Sie Babys nie ohne ärztliche Verordnung geben. Probiotika oder andere Mittel besprechen Sie mit der Praxis.

Hautpflege bei Durchfall

Häufiger, saurer Stuhl reizt die Haut schnell. Wechseln Sie die Windel öfter, reinigen Sie den Po mit Wasser und lassen Sie die Haut kurz an der Luft trocknen. Eine dünne Schicht Wundschutz kann helfen; siehe Wundschutzcreme: wann sie sinnvoll ist. Tritt trotzdem eine kräftige Rötung auf, lesen Sie Windeldermatitis: Wunder Po. Waschen Sie sich nach dem Wickeln gründlich die Hände, denn viele Erreger sind ansteckend. Die Windeln entsorgen Sie fest verschlossen im Restmüll.

Wann zum Kinderarzt oder in die Notaufnahme?

Rufen Sie die Praxis an oder suchen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst auf, wenn:

  • Ihr Baby jünger als sechs Monate ist und Durchfall hat,
  • es Zeichen von Austrocknung zeigt,
  • der Durchfall länger als etwa einen Tag anhält und stark ist,
  • Fieber auftritt. Bei Säuglingen unter drei Monaten gilt Fieber ab 38,0 Grad rektal als Notfall (siehe Fieber beim Baby),
  • Blut oder Schleim im Stuhl ist oder der Stuhl sehr hell, schwarz oder grün-schleimig wirkt,
  • wiederholtes oder schwallartiges Erbrechen hinzukommt, besonders grünliches,
  • der Bauch hart, aufgebläht und schmerzhaft ist,
  • das Kind nicht trinken mag oder müde und schwer ansprechbar ist.

In der Praxis zählt ein klarer Bericht: Seit wann besteht der Durchfall, wie oft, wie sieht der Stuhl aus, wie viele nasse Windeln gibt es, und wie war die Temperatur?

Ernährung während und nach dem Durchfall

Früher wurde oft geraten, bei Durchfall zunächst zu fasten. Das gilt heute nicht mehr, denn die Darmschleimhaut erholt sich besser, wenn sie weiterhin Nahrung bekommt. Gestillte Babys werden weiter angelegt, Flaschenkinder erhalten ihre gewohnte Nahrung, gegebenenfalls in kleineren, häufigeren Portionen. Ein Wechsel auf eine Spezialnahrung ist nur nach ärztlicher Anweisung sinnvoll.

Wenn Ihr Kind bereits Beikost isst, kann die Praxis empfehlen, zunächst leicht verdauliche Lebensmittel anzubieten. Fettreiche, stark gezuckerte oder blähende Speisen sind in dieser Phase eher ungünstig. Drängen Sie Ihr Kind nicht zum Essen; wichtiger als feste Nahrung ist die ausreichende Flüssigkeit.

Nach dem Infekt kann der Stuhl noch einige Tage weich bleiben. Das ist normal, solange das Kind munter ist, trinkt und nasse Windeln hat. Kehrt der Durchfall nach scheinbarer Besserung zurück oder hält er über eine Woche an, sollte die Praxis nach Ursachen suchen, etwa einer Unverträglichkeit.

Häufige Fragen

Soll ich bei Durchfall mit dem Stillen aufhören?

Nein. Muttermilch ist leicht verdaulich und schützt. Stillen Sie weiter, gegebenenfalls häufiger.

Darf mein Baby Tee trinken?

Bei Babys sind Flüssigkeitsmengen und Zusätze heikel. Fragen Sie die Praxis, bevor Sie Tee oder andere Getränke anbieten. Standard sind Milch und bei Bedarf eine Elektrolytlösung.

Ist Durchfall ansteckend?

Meist ja, wenn eine Infektion zugrunde liegt. Händewaschen, getrenntes Handtuch und gründliches Reinigen der Wickelfläche schützen Familienmitglieder. Kita und Krippe fragen oft nach Krankmeldung und Karenzzeit.

Wie lange dauert Durchfall bei Babys?

Virale Magen-Darm-Infekte dauern meist wenige Tage. Hält der Durchfall länger als eine Woche an oder kehrt er immer wieder, gehört er ärztlich untersucht.

Kita, Krippe und Ansteckung

Magen-Darm-Infekte verbreiten sich in Gemeinschaftseinrichtungen schnell. Viele Einrichtungen verlangen, dass Kinder nach Durchfall oder Erbrechen eine bestimmte Zeit symptomfrei zu Hause bleiben. Fragen Sie in Ihrer Einrichtung nach den Regeln und lassen Sie sich bei Bedarf eine Bescheinigung von der Praxis geben.

Fazit

Durchfall ist bei Babys meist harmlos, aber der Flüssigkeitsverlust darf nicht unterschätzt werden. Weiter stillen, die Windeln im Blick behalten und bei Warnzeichen oder jungem Alter früh anrufen. So bleibt Ihr Kind sicher versorgt.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.