Blähungen gehören bei Babys zum Alltag, weil das Verdauungssystem erst reift. Von Dreimonatskoliken spricht man, wenn ein sonst gesundes Baby über längere Zeit täglich stundenlang schreit, ohne dass eine Ursache gefunden wird. Meist beginnt das in den ersten Wochen und klingt bis zum vierten Monat ab.
- Blähungen sind häufig und harmlos; Bauchmassage, Wärme, Tragen und Aufstoßen helfen oft.
- Bei Dreimonatskoliken schreit das Baby nach der Faustregel mindestens drei Stunden täglich an drei Tagen pro Woche über drei Wochen, ohne krank zu sein.
- Die genaue Ursache ist nicht geklärt; Mittel gegen Koliken helfen unterschiedlich, besprechen Sie sie mit Praxis oder Apotheke.
- Bei Fieber, Erbrechen, Blut im Stuhl, hartem Bauch oder Trinkschwäche gehört das Kind sofort zum Arzt.
Blähungen: was im Babybauch passiert
Babys schlucken beim Trinken und Schreien Luft. Hinzu kommt, dass Darm und Darmflora in den ersten Monaten noch lernen. Gase entstehen bei der Verdauung und bewegen sich nicht immer leicht durch den Darm. Das kann zu Unruhe, angezogenen Beinchen, einem gespannten Bauch und lautem Gluckern führen. Meist lassen die Beschwerden nach, sobald Luft oder Stuhl abgehen.
Blähungen sind kein Zeichen, dass Sie etwas falsch machen. Sie treten bei gestillten Kindern und bei Flaschenkindern auf. Manche Kinder neigen mehr dazu, andere kaum.
Was bei Blähungen helfen kann
- Aufstoßen lassen: Nach dem Trinken Baby aufrecht an die Schulter halten oder aufrecht sitzen lassen und den Rücken sanft streichen.
- Bauchmassage: Mit warmen Händen im Uhrzeigersinn kreisende Bewegungen um den Nabel. Das entspricht der Richtung des Darms.
- Wärme: Ein warmes Tuch oder eine gut temperierte Wärmflasche mit Bezug, niemals heiß, nur unter Aufsicht und nicht zum Einschlafen.
- Fliegergriff: Das Baby bäuchlings auf den Unterarm legen und leicht wiegen.
- Beinchen-Radfahren: In Rückenlage die Beine sanft zum Bauch bewegen.
- Flasche anpassen: Passender Sauger, Flasche schräg halten, damit weniger Luft geschluckt wird.
- Tragen: Körperkontakt beruhigt, der Druck auf den Bauch kann Gase lösen.
Ob Tropfen, Tees oder andere Mittel sinnvoll sind, sollten Sie mit Hebamme, Kinderarzt oder Apotheke besprechen. Dosierungen und Eignung hängen vom Alter ab und können nicht pauschal empfohlen werden.
Dreimonatskoliken: Was dahintersteckt
Der Begriff ist irreführend. Die Koliken beginnen meist schon in den ersten zwei bis drei Lebenswochen, erreichen um die sechste Woche ihren Höhepunkt und klingen bis zum dritten oder vierten Monat ab. Typisch ist ein gesundes, gut wachsendes Baby, das zu bestimmten Tageszeiten, oft am Abend, anhaltend und kaum tröstbar schreit. Es krümmt sich, wird rot und zieht die Beine an.
Warum es dazu kommt, ist nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden die Reifung des Darms, die Darmflora, eine Überreizung des Nervensystems und das Schreiverhalten als Teil der normalen Entwicklung. Gesichert ist, dass Dreimonatskoliken keine Folge von Erziehungsfehlern sind.
Die Faustregel
Fachleute nutzen die sogenannte Dreierregel: Schreien an mindestens drei Tagen pro Woche, mindestens drei Stunden pro Tag, über mindestens drei Wochen, bei einem sonst gesunden Kind. Sie dient der Orientierung, nicht als Prüfstein. Wenn Sie erschöpft sind, zählt Ihre Belastung genauso.
Hilfen bei Koliken
Ein Mittel, das bei allen wirkt, gibt es nicht. Es kann helfen, mehrere Dinge auszuprobieren und bei Bedarf zu wechseln.
| Maßnahme | Wie sie hilft | Hinweis |
|---|---|---|
| Tragen im Tuch oder in der Trage | Körperkontakt, Wärme, Bewegung | auf sichere Haltung achten, Atemwege frei |
| Gleichmäßige Geräusche | erinnern an die Zeit im Mutterleib | leise einsetzen |
| Wiegen, Schaukeln, Spaziergang | beruhigt das Nervensystem | Reize reduzieren |
| Bauchmassage, Wärme | entspannt den Darm | nicht bei Verdacht auf akuten Infekt |
| Reizarme Umgebung | verringert Überreizung am Abend | dunkler, ruhiger Raum |
| Medikamente, Probiotika, Ernährungsumstellung | Wirkung unterschiedlich belegt | nur nach Rücksprache mit der Praxis |
Eine Ernährungsumstellung der stillenden Mutter oder ein Wechsel der Milchnahrung sollte nicht auf eigene Faust erfolgen. Bei Verdacht auf eine Allergie, etwa bei Blut im Stuhl oder starkem Ekzem, klärt die Praxis die Ursache.
Wenn die Nerven blank liegen
Stundenlanges Schreien ist belastend. Das ist menschlich. Wichtig ist Ihre eigene Entlastung:
- Legen Sie Ihr Baby an einen sicheren Ort (Rücken im Bett) und gönnen Sie sich eine kurze Pause im Nebenraum, wenn Sie spüren, dass Sie die Beherrschung verlieren.
- Bitten Sie Partner, Familie oder Freunde um Ablösung.
- Sprechen Sie mit Ihrer Hebamme oder Kinderärztin über Ihre Belastung. Anlaufstellen sind Schreiambulanzen und Beratungsstellen, die viele Kliniken und Städte anbieten.
- Schütteln Sie Ihr Baby niemals. Schütteln kann schwere Hirnverletzungen verursachen.
Hilfreich sind ein ruhiger Alltag und realistische Erwartungen. Weitere Orientierung zur Entwicklung gibt der Beitrag Meilensteine im ersten Lebensjahr. Sorgen um den Schlaf finden Sie im Artikel Babyschlaf im ersten Jahr.
Wann zum Kinderarzt?
Gehen Sie in die Praxis oder den Notdienst, wenn:
- Ihr Baby Fieber hat (rektal ab 38,0 Grad; bei Säuglingen unter drei Monaten immer ärztlich vorstellen), siehe Fieber beim Baby,
- es wiederholt oder schwallartig erbricht, besonders grün,
- Blut im Stuhl ist, der Bauch hart und aufgebläht ist,
- es nicht trinkt, nicht zunimmt oder auffällig schlapp ist,
- das Schreien plötzlich anders klingt, schrill oder schwach wird,
- es keinen Stuhl hat und keine Winde abgehen; auch bei Verstopfung finden Sie Hinweise unter Verstopfung beim Baby,
- Sie unsicher sind oder an der Grenze Ihrer Kräfte.
Tipps für Flaschen- und Stillkinder
Ob gestillt oder mit der Flasche gefüttert wird: Kleine Anpassungen beim Trinken können die Menge an geschluckter Luft verringern.
- Beim Stillen: Achten Sie auf ein gutes Anlegen, bei dem Ihr Kind die Brustwarze samt Warzenhof umschließt. Ein schnell einschießender Milchfluss kann dazu führen, dass das Baby hastig schluckt. Eine halb aufrechte Haltung kann hier helfen.
- Bei der Flasche: Der Sauger sollte immer mit Milch gefüllt sein. Wählen Sie einen Sauger mit passender Durchflussgeschwindigkeit; zu großes Loch führt zu hastigem Trinken, zu kleines zu Frust und Luftschlucken.
- Pausen: Lassen Sie Ihr Baby zwischendurch aufstoßen, nicht nur am Ende.
- Zubereitung: Pulvernahrung vorsichtig mischen, ohne starkes Schütteln, damit weniger Luftblasen entstehen. Beachten Sie die Anweisung auf der Packung.
Eine Ernährungsumstellung der Mutter, etwa der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel, hat bei Blähungen keine sicher belegte Wirkung. Nehmen Sie keine strengen Diäten auf eigene Faust vor; sie belasten Sie zusätzlich. Besprechen Sie Ihre Fragen mit Hebamme oder Stillberatung.
Häufige Fragen
Haben Flaschenkinder öfter Koliken?
Nein, Koliken treten bei gestillten und nicht gestillten Kindern auf. Ein Wechsel der Nahrung sollte aber nur nach ärztlicher Beratung erfolgen.
Hilft Kümmeltee oder Fencheltee?
Dazu gibt es unterschiedliche Erfahrungen. Fragen Sie in Praxis oder Apotheke nach Eignung, Menge und Zubereitung, da für Babys Besonderheiten gelten.
Wann hören die Koliken auf?
Bei den meisten Kindern lassen sie zwischen dem dritten und vierten Monat nach. Der Verlauf ist individuell.
Kann ich mein Baby zu viel tragen?
Nein. Tragen schadet nicht und kann beruhigen. Achten Sie darauf, dass Sie selbst Pausen bekommen.
Fazit
Blähungen und Dreimonatskoliken gehören zu den häufigen, aber belastenden Phasen des ersten Lebenshalbjahrs. Sanfte Hilfen, Geduld und Entlastung für Sie als Eltern stehen im Vordergrund. Warnzeichen wie Fieber, Erbrechen oder Trinkschwäche gehören ärztlich abgeklärt.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.



